Ein historischer Umschwung im deutschen Heizungsmarkt
Im ersten Halbjahr 2025 hat sich erstmals ein Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien an die Spitze des deutschen Heizungsmarktes gesetzt. Wärmepumpen wurden häufiger verkauft als Gasheizungen – ein Wendepunkt nach Jahrzehnten, in denen Gasheizungen den Markt dominierten. Damit zeichnet sich ab, dass sich nicht nur in der Energieerzeugung, sondern zunehmend auch in der Wärmeversorgung ein Paradigmenwechsel vollzieht.
Dieser Umbruch markiert das Ende des klaren Vorrangs von fossilen Heizsystemen wie Gas und Öl, zumindest bei den Neuinstallationen. Es zeigt sich: Verbraucher:innen greifen immer mehr zu Systemen, die klimafreundlicher und langfristig wirtschaftlicher sein können.
Zahlen & Entwicklungen
- Verkauf Wärmepumpen vs. Gasheizungen
In den ersten sechs Monaten 2025 wurden rund 139.500 Wärmepumpen verkauft. Das sind etwa 55 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Vergleich dazu fiel der Verkauf neuer Gasheizungen auf etwa 132.500 Stück, was einen Rückgang um etwa 41 % bedeutet. - Ölheizungen schrumpfen drastisch
Ölbasis-Heizungen sind nahezu vom Markt verschwunden; nur noch etwa 10.500 Geräte wurden neu installiert, ein Minus von rund 81 %. - Gewinner Biomasse
Auch Heizsysteme mit Biomasse (z. B. Pelletheizungen) verzeichnen ein Wachstum — ca. 42 % mehr Installationen, insgesamt etwa 14.000 Geräte. - Gesamtmarkt kleiner geworden
Insgesamt lag der Absatz von Heizsystemen zwischen Januar und Juni 2025 bei etwa 296.500 Einheiten. Das ist ein Rückgang um etwa 22 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Gründe für den Wandel
1. Wirtschaftliche Faktoren:
Die Kosten für Gas sind in den letzten Jahren stark gestiegen – nicht zuletzt wegen fossiler Brennstoffe, CO₂-Abgaben und Unsicherheiten auf den globalen Energiemärkten. Dies macht Gasheizungen zunehmend weniger attraktiv.
2. Förderpolitik:
Die Bundesregierung unterstützt den Umstieg auf Wärmepumpen großzügig. Je nach Ausstattung und Ausgangssituation erhalten Bauherr:innen und Hauseigentümer:innen Fördermittel für die Anschaffung. Das macht den Wechsel finanziell reizvoller.
3. Klimaschutzziele und regulatorische Anforderungen:
Für die Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele spielt die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung eine zentrale Rolle. Wärmepumpen gelten als entscheidender Baustein, da sie erneuerbare Energie nutzen und keine direkten CO₂-Emissionen beim Betrieb verursachen. Gesetzliche Vorgaben, wie Gebäudeenergiegesetze und mögliche zukünftige Verpflichtungen, setzen zusätzlichen Druck.
4. Technologische Verbesserungen:
Wärmepumpen sind effizienter geworden, ihre Leistungsfähigkeit auch in kälteren Regionen verbessert sich, und die Integration mit anderen Systemen (z. B. Photovoltaik, intelligenten Heizungssteuerungen) wird leichter.
Herausforderungen und offene Fragen
Trotz des deutlichen Aufwärtstrends gibt es nach wie vor Hürden:
- Installationskosten und Finanzierung: Die Anschaffung einer Wärmepumpe ist oft mit höheren Anfangsinvestitionen verbunden – auch wenn Fördergelder helfen, bleiben Kosten für Technik, Einbau und ggf. Umbauten (z. B. Anpassungen am Haus, Dämmung) für viele eine Hürde.
- Netzbelastung und Strombedarf: Mehr Wärmepumpen bedeuten höheren Stromverbrauch, insbesondere in Spitzenzeiten. Die Stromnetze müssen gestärkt und Stromspeicher fingiert werden, damit Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt.
- Akzeptanz und Handwerk: In manchen Regionen ist Fachpersonal rar, und der Umbau erfordert oft Neuplanung. Manche Hauseigentümer*innen zögern wegen Aufwand oder Unsicherheit bezüglich der Technik.
- Politische Rahmenbedingungen: Förderprogramme, gesetzliche Vorgaben und langfristige Planungssicherheit sind entscheidend. Schwankende Förderhöhen oder unsichere Regelwerke können den Markt verunsichern.
Bedeutung für Verbraucher:innen
- Für Eigentümer*innen kann die Umrüstung auf eine Wärmepumpe langfristig zu Einsparungen bei den Betriebskosten führen, besonders wenn der Strommix sauber bleibt oder Eigenstrom genutzt wird.
- Immobilienbesitzer sollten jetzt prüfen, ob ihr Haus geeignet für eine Wärmepumpe ist (Isolation, Platz, Anschluss etc.), und Fördermöglichkeiten frühzeitig ausloten.
- Mieter:innen sind indirekt betroffen durch steigende Anforderungen an Wohngebäude und Änderungen in den Regelungen zur Heizungsmodernisierung.
Zukunftsperspektiven
Der Moment, in dem Wärmepumpen erstmals die Gasheizung beim Neugeschäft überholen, ist symbolisch, aber auch Wegweiser. Damit dieser Trend nicht wieder abflacht, sind folgende Maßnahmen entscheidend:
- Starke und stabile Förderung für Wärmepumpen und zugehörige Infrastruktur
- Ausbau der Stromnetze und Integration erneuerbarer Energiequellen
- Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Handwerk
- Klarheit in der Gesetzgebung und langfristige Regelungen
Wenn all diese Faktoren zusammenspielen, könnte sich Wärmepumpe dauerhaft als Standardlösung im Heizungsmarkt etablieren – und Gasheizungen für Neubauten weitgehend der Vergangenheit angehören.
Quelle
Futurezone – „Öl- und Gasheizungen vor dem Aus: Neue Nummer 1 setzt sich erstmals durch“, Futurezone.de (10.09.2025)
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